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Historische Gedichte – Malvorlagen

Robin Hood – Theodor Fontane

Robin Hood.

 

1.

 

Liebe Herrn, horcht auf und habt mal Geduld,
Und lauf mir Keiner davon ; –
Ich will Euch erzählen von Robin Hood,
Und vielleicht auch von Little John.

 

 

In Locksly, im lustigen Nottinghamshire,
Beginn‘ ich mit meiner Geschicht‘ ;
Da bracht‘ Robins Mutter den Robin zur Welt,
Und das Andre – das weiß ich nicht.

 

Das aber weiß ich, und hört‘ es oft :
Sein Vater war Förster allda,
Er traf in’s Schwarze, auf tausend Schritt,
Und das ist just nicht nah.

 

Mit Adam Bell und Will Cloudesly
Schoß er oftmals um die Wett‘,
Die mußten ihm zahlen vierzig Mark
In Gold und auf ein Brett.

 

Robins Mutter, die war John Gamwels Kind,
Der ’nen Wolf mit der Hand erwürgt ;
(Zu Coventry, der Ochsenwirt
Hat mir’s hundertmal verbürgt.)

 

Und ihr Bruder hieß Gamwel von Gamwel-Hall,
Und sein altes Herz war frisch, –
Das weißeste Brot in Nottinghamshire,
Das kam auf seinen Tisch. –

 

Und sieh, Jung Robin wuchs heran,
Zählte zwanzig Jahre bald,
Er hatte Vater und Mutter lieb,
Doch noch lieber den Scherwood-Wald.

 

Robin’s Mutter zu Robin’s Vater sprach :
»Mein Liebster, der Du bist,
Gern ritt‘ ich heute gen Gamwel-Hall
Und feierte heiligen Christ ;

 

»Ich hab eine Lust in Keller und Küch
So recht zur Hand zu gehn ;
Ach hab‘ ich den lieben Bruder mein
Seit Pfingsten nicht gesehn. «

 

Vater Robin drauf : »lieb Hanna, gewiß !
Meinen Braunen geb‘ ich gern ;
Nur nimm mir unsren Robin mit
Und zeig‘ ihn dem alten Herrn ;

 

Und grüß den Alten und küsse dazu
Die Kinder groß und klein,
Und wenn ihr alle recht lustig seid,
Lieb Hanna, so denke mein. «

 

Er sprach’s. Alsbald der Braune kam,
Gestriegelt und aufgestutzt !
Nur Robin’s Mutter und Robin selbst,
Die waren noch mehr geputzt.

 

Jung Robin trug eine blaue Kapp‘
Und ein Schwert an seiner Seit‘,
Und die Mutter gar, die bauschte daher
Im Vierzig-Falten-Kleid.

 

Es war ein selbstgesponnenes Stück,
Und sie wußte sich was darin,
Und sie sah beinah so stattlich aus,
Wie zu London die Königin.

 

Jung Robin schwang in den Sattel sich,
Seine Mutter kletterte nach,
Sie sah den Braunen ängstlich an,
Vater Robin aber sprach :

 

»Lieb Hanna, laß, ich kenne sein Kreuz,
Zwei Reiter ist ihm Spiel,
Er trug schon sieben Scheffel Korn,
Und die wiegen doppelt so viel. «

 

Er sprach’s. Jung Robin ritt im Schritt
Bis dicht an das Stadtthor hin, –
Das Händeschütteln nahm kein End‘
Von Nachbar und Nachbarin ;

 

Nun aber ging’s auf den Braunen los
Zugleich mit Peitsch‘ und Sporn,
Und Robin rief : »He, lauf einmal
Und verdiene Dein Weihnachtskorn. «

 

Sie kamen an. Das ganze Haus
Gerieth wie außer sich,
Der Alte rief in einem fort :
»Lieb Schwester, wie freu ich mich ! «

 

Am andern Morgen ging’s in die Mess‘,
Dann aber ging’s wieder nach Haus ;
Sechs Tische standen da, wohlgedeckt,
Drauf dampfte der Weihnachtsschmaus.

 

Jede Tafel trug eine braune Gans
Mit saftigen Aepfeln gefüllt,
Daneben Wildpret und Schinken zumal
In Eierteig gehüllt.

 

Sechs Lichter brannten ; der Pfarrer vom Dorf
Sprach den Segen kurz und fromm, –
Dann aber rief Squire Gamwel selbst :
»Lieben Gäste, Gott willkomm !

 

»Willkommen mir all in Gamwel-Hall,
Und nun seht, was die Küche briet ;
Wer aber mein Märzbier trinken will,
Der singe zuvor ein Lied. «

 

Da sangen sie all (denn das Bier war gut)
Aus voller Kehle und Brust, –
Squire Gamwel schlug den Takt dazu
Und weinte beinah vor Lust.

 

Er rief : »Hört nur, wie draußen der Wind
Den Regen an’s Fenster schlägt,
Das ist die Zeit, wo das Menschengemüth
Einen Humpen mehr verträgt.

 

»Lieb Hanna, hol uns den Stachelbeerwein,
Er zählt schon manchen Tag,
Und wirf mehr Holz noch in den Kamin,
Daß es lustiger knistern mag. «

 

Und sie brachte das Holz und sie brachte den Wein
Und sie tranken wacker davon,
Und der Alte rief : »nun kommt das Beßt‘,
Nun hol‘ ich den Little John ;

 

»Little John das ist der flinkeste Bursch
Zehn Meilen in der Rund :
Kopfstehn, Radschlagen und Gliederverdrehn
Versteht er aus dem Grund. «

 

Little John trat ein ; Jung Robin rief :
»Nun flinkester Bursch komm her !
Und springst Du sieben Ellen weit,
So spring ich noch eine mehr. «

 

Little John sprang sieben ; Jung Robin sprang acht,
Auf Zollbreit hielt er Wort,
Da rief der Alte : »so wahr ich leb‘
Ich lasse Dich nicht mehr fort.

 

»Sei mir ein Sohn ; wir haben hier auch
Fangmesser, Bogen und Pfeil,
Und mach‘ ich mal die Augen zu
So erbst Du Kindestheil. «

 

2.

 

Jung Robin blieb. Der Frühling kam,
Aufsproßten die Veilchen, die blaun,
Die Lerche hatte mit Liedern zu thun
Und die Schwalbe mit Nesterbaun ;

 

Da rief Jung Robin : »Nun komm Little John,
Jeder Vogel ruft mich hinaus, –
Ich muß wieder heim in den Scherwood-Wald
Und sein grünes Blätterhaus. «

 

Sie kamen zum Wald ; sein Hüfthorn rasch
Führte Robin an den Mund, –
Da wuchsen, wie auf Zauberschlag
Fünfzig Jäger aus dem Grund.

 

Er rief : »grüß‘ Gott Euch, liebe Geselln ! «
Und fragte sie her und hin ;
Dann plötzlich schwieg er : aus Waldesnacht
Trat Jenny, die Schäferin.

 

Seine Sinne hatten sie nie gesehn,
Betroffen er vor ihr stand ;
Sie trug in Strählen ihr schwarzes Haar,
Durchflochten mit rothem Band.

 

Sie trug ein Mieder, kornblumenblau,
An silbernen Spangen reich,
Und ihr Aug‘, umwölbt von dunkler Brau,
Blickte mild und muthig zugleich.

 

Er rief : »Willkommen, wer immer Du seist !
Und suchest Du unsren Schutz,
Bei’m Himmel, um deinen süßen Leib
Böt‘ ich dem Könige Trutz.

 

Da lachte sie laut und rief : »Hab‘ Dank !
Ich bin eine Warwick-Maid,
Und brauch‘ ich Schutz, so sieh diesen Pfeil
Und den Bogen an meiner Seit‘.

 

Sie sprach es kaum, da brach mit Geräusch
Ein Reh durch’s knickende Holz,
Sie rief : »schau auf ! « und mitten durch’s Herz
Drang ihr gefiederter Bolz.

 

Jung Robin sah’s. »Und brauchest Du nicht
Meines Arm’s « – so rief er laut –
»So nimm meine Hand und mein Herz dazu
Und sei meine süße Braut.

 

Ich bin Robin Hood. Im Scherwood-Wald
Sollst Du die Königin sein, –
Was Bogen und Pfeil erreichen kann,
Ist alles, alles mein. «

 

Wohl ward sie roth und rief doch : »Ja !
Ja, – und von Herzen gern,
Ich will Dir folgen, wohin Du gehst,
Und Dir dienen als meinem Herrn.

 

»Jetzt aber komm, und geleite mich heim
In meines Vaters Haus ;
Wir feiern heute Kirchweihfest, –
Nun wird es mein Hochzeitsschmaus ! «

 

Da brachen sie auf nach Titbury-Town,
Little John der schritt voran,
Auf den Schultern er einen Rehbock trug,
Den man immer brauchen kann.

 

So ging’s feldein. Schon grüßte der Thurm
Von Titbury ganz in der Näh,
Da sperrten fünf Bursche ihnen den Weg
Und schrieen : »gebt uns das Reh ! «

 

Ihre Messer blitzten. Da lachte laut auf
Robin Hood und Little John,
Sie schlugen zwei von den Strolchen todt,
Die andern liefen davon.

 

Bei’m Himmel ein lustiger Stückchen Kampf
Thät Robin nie bestehn ; –
Ich bin der Fiedler von Titbury-Town,
Und habe mit zugesehn.

 

Ich stand kaum fünfzig Schritt davon
Und fiedelte wacker mit drein,
Auch aus der Stadt scholl Jubel her
Von Dudelsack und Schalmei’n.

 

Und als der Kampf vorüber war,
Jung Robin war nicht matt,
Er faßte schön Jenny um den Leib
Und tanzte hinein in die Stadt.

 

Da war auf Markt und Gassen schon
Das Kirchweihfest im Gang,
Selbst Tom, der Schreiber vom Gericht,
Ueber Tisch und Bänke sprang.

 

Er führte die Anne Marie zum Tanz,
– Bei Gott, eine hübsche Dirn !
Und richtig gezählt, jeden dritten Takt
Da küßt er sie auf die Stirn.

 

Ich bin der Fiedler, und hab‘ es gesehn
Und gönn’s ihm auch von Grund,
Denn meine Nanny war auch dabei
Und die küßt‘ ich auf den Mund.

 

Jung Robin aber und Jenny schön,
Die tanzten zum Vater in’s Haus,
Und als der Herr Pfarrer sein Sach‘ gethan
Ging’s tanzend wieder hinaus ;

 

Hinaus in den Wald ; da waren die Tisch‘
Unterm Laubdach angericht’t, –
Ach, was ich da alles gegessen hab‘
Vor Trinken weiß ich’s nicht.

 

Nur in den Wabenhonig hinein
Schnitt ich ein tiefes Loch,
Und wenn ich daran denken thu,
Schmeckt es mir immer noch.

 

Jung Robin und Jenny gingen zu Bett,
Wir aber schliefen aus,
Und als der nächste Morgen kam,
Nahm Jeder was mit nach Haus.

 

Ich nahm einen Kuchen ; er war nicht groß,
Doch war er auch nicht klein,
Ich lebt‘ an sieben Tag davon
Und lud noch Gäste ein.

 

Und halt ! daß Eins ich nicht vergeß‘
Vor lauter Hast und Eil‘ :
Sie wurden getraut mit einem Ring ;
Und nun dem Könige Heil !

 

Dem Könige Heil ! und geb‘ ihm Gott
Einen jungen Prinzen bald ; –
Ich aber will singen von Robin Hood
Und dem lustigen Scherwood-Wald.

 

Theodor Fontane (1819 – 1898)

Aus Balladen von Theodor Fontane. 1861.
Lieder und Balladen, frei nach dem Englischen.

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1. Juni 2017 - Posted by | Balladen | , ,

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